Newsletter 1/2021 - WBV Altmannstein & Umgebung e.V.

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Aktuelle Lage am Holzmarkt

Gestiegene Fichten-Rundholzpreise

Bereits im November letzten Jahres war ein leichter Aufwärtstrend bei der Nachfrage nach frischem Sägerundholz von Seiten der Sägewerke zu spüren. Eine weiterhin gute Konjunktur im Euroraum, gefüllte Auftragsbücher der Baufirmen aufgrund der anhaltenden Niedrigzins-Phase sowie eine leicht steigende Nachfrage nach Gebäuden aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz haben auch dazu beigetragen, dass der Bedarf und somit auch der Preis für sägefähiges, frisches Nadelrundholz derzeit steigt. „Die Nachfrage nach Fichten-, Lärchen-, und Douglasien-Sägeholzsortimenten ist derzeit nicht zu befriedigen“, so lautet ein Zitat aus der Fachpresse. Mit zur aktuellen Situation auf dem Rundholzmarkt tragen sicherlich die Hinweise aus den Hauptkäfergebieten aus der Mitte Deutschlands bei; es wird berichtet, dass die Käferholzmengen aufgearbeitet und weitgehend abgefahren seien. So ist auch im Vereinsgebiet der Waldbesitzervereinigung Altmannstein und Umgebung e.V. die Nachfrage nach frischem Nadelsägeholz in den letzten Wochen gestiegen. Bereits abgeschlossene Liefer-Verträge mit Fichten-Rundholzabnehmern konnten nachverhandelt werden, sodass für Frischholz der Güteklasse B ab Übernahme Februar im Leitsortiment annähernd 80 Euro je Festmeter an die Waldbesitzer ausbezahlt werden können. Es bleibt zu hoffen, dass das zarte Pflänzchen der Markterholung nicht durch Sturm- oder andere Schadereignisse wieder zunichte gemacht wird.

Beim Absatz von Papierholz ist derzeit mit keiner Erholung der Preise zu rechnen, dies ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass bei den Preisverhandlungen von den verschiedenen Waldbesitzarten dem Abnehmer UPM bedeutend mehr Menge angeboten wurde, als nach Aussage der Firma abgenommen werden kann.

Auch die Erlöse bei Waldhackgut (Rest-Holz-Kronen) stagnieren weiter auf niedrigem Niveau. Hier wird der Markt derzeit noch mit großen Mengen Landschaftspflegeholz versorgt.

Witterungsbedingt konnten die Waldböden in den Wintermonaten ihren Wasserhaushalt etwas regenerieren, in den tieferen Bodenschichten sind die wichtigen Niederschläge aber sicherlich noch nicht ausreichend angekommen. Gute Voraussetzungen für eine optimale Frühjahrspflanzung sind durch die Niederschläge jedoch sicherlich gegeben.

Letztlich bleibt festzuhalten dass sich die Situation auf dem Holzmarkt bessert und somit auch wieder wirtschaftlich Waldbestände durchforstet oder Endnutzungshiebe über der Vorausverjüngung durchgeführt werden können.

Die Waldbesitzervereinigung Altmannstein und Umgebung e.V. steht gerne beratend zur Seite.

Josef Lohr
Geschäftsführer

Klage auf Schadensersatz erneut abgelehnt

Wandern auf eigene Gefahr

Einem Mann, der während einer Wanderung auf dem Harzer-Hexen-Stieg von einem umstürzenden Baum erfasst und dabei schwer verletzt wurde, steht kein Schadensersatz zu. Das hat das Oberlandesgericht Naumburg in einem Berufungsverfahren entschieden. Der Mann hatte zuvor vergeblich vor dem Landgericht Magdeburg geklagt und von der Stadt Thale Schmerzensgeld von mindestens 200.000 Euro verlangt. Der Deutsche Wanderverband bedauert derartige Unfälle ausdrücklich, begrüßt das Urteil aber, da es seinen Mitgliedsorganisationen für ihre tägliche Arbeit Sicherheit gebe und die Bedeutung eigenverantwortlichen Handelns betone.

Nach eigenen Angaben wurde der Kläger im Juli 2018 auf dem touristisch beworbenen Harzer-Hexen-Stieg von einem herabstürzenden Baum erfasst und schwer verletzt. Der Unfall ereignete sich auf einem Waldgrundstück der Stadt Thale. Der Verletzte war der Auffassung, dass die Stadt ihre Verkehrssicherungspflichten verletzt habe. Der Baum sei deutlich erkennbar abgestorben gewesen und wäre bei der Durchführung einer Baumschau sofort als Gefährdungsbaum ersichtlich gewesen und gefällt worden, sodass es nicht zu dem Unfall gekommen wäre.

Das Landgericht Magdeburg folgte dieser Auffassung nicht. Es wies die Klage aufgrund der geltenden Gesetzeslage (§ 4 und § 22 Landeswaldgesetz Sachsen-Anhalt) und der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (Urteil vom BGH, Urteil vom 02. Oktober 2012 – VI ZR 311/11) ab. In einer Mitteilung des Landgerichts Magdeburg heißt es: „Der Waldbesucher, der auf eigene Gefahr Waldwege betritt, kann grundsätzlich nicht erwarten, dass der Waldbesitzer Sicherungsmaßnahmen gegen waldtypische Gefahren ergreift. Mit waldtypischen Gefahren muss der Waldbesucher auch auf Wegen rechnen. Er ist primär selbst für seine Sicherheit verantwortlich. Risiken, die ein freies Bewegen in der Natur mit sich bringt, gehören grundsätzlich zum entschädigungslos hinzunehmenden allgemeinen Lebensrisiko. Dementsprechend können und müssen auf Wanderwegen nicht sämtliche Gefahren ausgeschlossen werden. Würde man eine völlige Gefahrlosigkeit der Wanderwege fordern, müsste man auf reizvolle Routen im Bergland ebenso wie auf einsame Waldpfade im Flachland aus Haftungsgründen verzichten. Auch nach der gesetzlichen Risikoverteilung aus § 22 LWaldG LSA haftet selbst auf stark frequentierten und touristisch beworbenen Waldwegen der Waldbesitzer nicht für waldtypische Gefahren.“

Das Oberlandesgericht Naumburg hat diese Auffassung Mitte Dezember 2020 bestätigt und die Berufung des Klägers zurückgewiesen. Dem Kläger stehe kein Schadensersatz zu, weil sich mit dem Umsturz des Baumes eine „waldtypische“ Gefahr verwirklicht habe, für die die beklagte Stadt auch auf Wanderwegen nicht hafte.

Der Deutsche Wanderverband (DWV) bedauert derartige tragische Unfälle beim Wandern zwar ausdrücklich, hält die Entscheidung aber aus mehreren Gründen für hilfreich. DWV-Geschäftsführerin Ute Dicks: „Das Urteil gibt unseren Mitgliedsorganisationen Sicherheit. Die Haftungsfrage auf Wanderwegen ist in vielen Vereinen immer wieder ein großes Thema. Außerdem zeigt die Entscheidung, dass Leitwege wie der Harzer-Hexen-Stieg juristisch ebenso behandelt werden wie andere Wanderwege. Sie unterliegen also keinen besonderen Auflagen. Das ist besonders für Qualitätsangebote wie die Qualitätswege 'Wanderbares Deutschland‘ relevant. Nicht zuletzt verdeutlicht das Urteil, wie wichtig selbstverantwortliches Handeln auch draußen in der Natur ist.“