Newsletter 1/2020 - WBV Altmannstein & Umgebung e.V.

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Aktuelle Lage auf dem Holzmarkt

Nadelrundholz-Markt weiter unter massivem Druck - Lösungen für die Forstwirtschaft sind gefragt!

 

Witterungs- und kalamitätsbedingt haben sich die Schadholzmengen, die in Bayern, deutschland- und europaweit auf den Markt drängen, soweit gesteigert, dass sich nicht nur die Holzpreise in Jahresfrist auf weniger als die Hälfte reduziert haben, sondern die Aufnahmefähigkeit der holzbearbeitenden Betriebe und des Marktes insgesamt weit überschritten wird. Was die ohnedies angespannte Lage verschärft, ist das Einkaufsverhalten einiger in Bayern und Deutschland angesiedelten Industriebetriebe. Der Abtransport mit anschließender Sortierung von bereitgestelltem, heimischem Rundholz verzögert sich, da günstiger Importware aus Nachbarländern oder anderen Bundesländern Vorrang eingeräumt wird. Mit Käferholz beladene Güterzüge und LKW werden kreuz und quer durch Bayern gefahren. Der internationale Verdrängungswettbewerb kennt keine Rücksicht.

Eine Trendwende ist derzeit nicht in Sicht.

Der Schwärmflug der Fichtenborkenkäfer hat seit Mitte April auch in den Wäldern unseres Vereinsgebietes eingesetzt. Anfallendes Nadelrundholz ist deshalb auf geeigneten Lagerplätzen 500 m außerhalb des Waldes zu lagern. Gipfelholz kann weiterhin im Wald gelagert werden und wird zeitnah waldschutzwirksam gehackt und abgefahren.

Aufgrund der schleppenden Rundholzabfuhr wurden bereits ca. 1500 Festmeter Fichten-Fixlängen aus dem Wald auf förderfähige Großlagerplätze gefahren.

Durch die verzögerte Abfuhr können Qualitätsverluste am Holz entstehen, da die Gütefeststellung beim Werkseingang durchgeführt wird. Für diesen Zeitraum kann die WBV keine Haftung übernehmen.

Mit einem Preis von 17,- € je Festmeter Käferholz bei den Fichten-Fixlängen der Stärkeklasse 2a ist ein Harvestereinsatz in diesen Stärkeklassen derzeit nicht kostendeckend.

Um auf die anhaltend schlechte wirtschaftliche Situation der Forstbetriebe hinzuweisen, haben wir in einem gemeinsamen Schreiben des „Netzwerk Forst“ führende Bayerische- und Bundespolitiker aufgefordert, nach Lösungsansätzen zu suchen.

Das Schreiben von „Netzwerk Forst“ an die Politik können Sie auf unserer Website unter News einsehen.

 

Josef Lohr
Geschäftsführer der WBV

Forstkabinen schützen Menschenleben - Traktorkabinen nicht für die Waldarbeit geeignet

„Forstarbeiter wirft 30 m lange Fichte auf Forstmaschine, Fahrer wird mittelschwer verletzt.“ So lautete die Unfallmeldung eines Waldunfalles. Der Motorsägenführer hat den Fällbereich nicht ausreichend abgesichert, so dass der in ca. 25 m Entfernung stehende Holzrücker mit seinem Forstspezialfahrzeug noch vom Gipfelstück des Baumes getroffen wurde. Die massive Schutzvorrichtung am Führerhaus der Rückemaschine hat Schlimmeres verhindert (Bild 1). Der Fahrer erlitt lediglich Prellungen und Schnittwunden.

Forstmaschinen wie Harvester oder Forwarder haben i. d. R. Kabinen, die ausreichenden Schutz bieten. Diese müssen nach den entsprechenden Normanforderungen eine Umsturzschutzvorrichtung (ROPS Roll Over Protective Structure), Schutz vor herunter fallenden Gegenständen (FOPS Falling Object Protective Structure) und Vorrichtung zum Schutz der Bedienperson (OPS Operator Protective Structure) aufweisen. Hier sollte jedoch beachtet werden, dass die Sicherheits-Kunststoffscheiben einem Alterungsprozess unterliegen und deshalb regelmäßig ausgetauscht werden sollten.

 

Wie sieht es aber bei den landwirtschaftlichen Traktoren aus?

Wird ein Traktor auch für die Forstarbeiten eingesetzt, müssen die Vorrichtungen zum Schutz der Bedienperson vorhanden sein. Da die meisten Schlepper mit einem Kunststoffdach ausgerüstet sind, ist ein Schutz nach FOPS nicht vorhanden. Wie im Bild 2 dargestellt, hätte diese Tatsache dem Fahrzeugführer beinahe das Leben gekostet. Wäre ein Beifahrer in der Kabine gewesen, er hätte den Einschlag des Gipfelstückes nicht überlebt.

Fragen Sie Ihren Händler, ob Ihr Traktor mit einer FOPS-Kabine mit LEVEL 2 nach ISO 8083 ausgerüstet ist.

 

Oswald Haslbeck
Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau
Bereich Prävention

Die massive Forstkabine verhinderte schlimmere Verletzungen des Fahrers.

 

Traktorkabinen bieten keinen ausreichenden Schutz vor herabfallenden Baumstücken