Newsletter 4/2021 - WBV Altmannstein & Umgebung e.V.

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"Das Holz geht aus" -
So wird das Image des Baustoffs Holz durch Medien geschädigt

Derzeit erleben wir in der Presse und den verschiedenen Medien zahlreiche Berichte aufgrund der Holzknappheit, insbesondere bei einigen Zimmererbetrieben. Diese öffentliche Diskussion über den Holzmangel hat bereits jetzt extrem negative Auswirkungen auf das Image des Holzbaus. In der Öffentlichkeit kommt das Thema an, als wäre Holz ein problematischer, teurer und unzuverlässiger Baustoff. Wir halten die öffentliche Diskussion über den Schnittholzmangel für übertrieben und imageschädigend für den Holzbau und möchten einige Sachverhalte zum Thema Holzbau, Holzmarkt und Holzexport klarstellen:

Um den notwendigen Waldumbau zum Aufbau zukunftsfähiger, klimastabiler Mischwälder umsetzen zu können, benötigen die Waldbesitzer dauerhaft stabile Absatzmärkte, denn hierfür müssen Holzvorräte im Wald abgesenkt werden. Gerade im Kleinprivatwald sind diese vielerorts noch viel zu hoch! Um die Kosten für den Waldumbau zu bezahlen, müssen die Waldbesitzer ihren Rohstoff Holz gut verwerten können.

Derzeit erleben wir, dass aufgrund der guten Nachfrage nach Nadelschnittholz und Holzprodukten aus dem In- und Ausland, der guten Baukonjunktur und einer erhöhten Holzbauquote die Holznachfrage gut ist. Auch aufgrund des hohen, insbesondere kalamitätsbedingten günstigen Rundholzangebotes steht die Holzindustrie wirtschaftlich sehr gut da. Nach mehreren Jahren investiert die Holzindustrie auch wieder in Produktions- und Verarbeitungsstätten bei uns. Von einer starken und guten Holzwirtschaft profitiert letztendlich auch der Waldbesitz. Die Rundholzpreise für frisches Fichtenholz sind seit Jahresbeginn zwar gestiegen, aber im Vergleich zu der Erlösentwicklung in den Hauptsortimenten der Nadelschnittholzindustrie partizipiert der Waldbesitz nur zu einem geringen Maße an der guten Entwicklung. Noch immer klafft die Schere zwischen Rundholz- und Schnittholzpreisen bei Nadelholz auseinander.

Schon immer wurde ein Teil unseres bayerischen Holzes in andere Länder exportiert. Gerade in Zeiten des Klimawandels und den damit verbundenen hohen Kalamitätsholzanfällen ist der Export für uns Waldbesitzer noch wichtiger geworden. Könnten wir das Kalamitätsholz nicht verkaufen, so würde es im Wald verrotten, dadurch CO2 ausstoßen und die Problematik zusätzlich verschärfen.

171 Mio. m3 Kalamitätsholz sind alleine in den letzten drei Jahren in Deutschland angefallen. Letztes Jahr sind bundesweit etwa 66 Mio. fm (davon 60,5 Mio. fm Nadelholz mit einem Schwerpunkt bei der Fichte) angefallen. Zum Vergleich: Bei einem durchschnittlichen Normaljahr liegt der deutsche Fichtenholzeinschlag bei rund 25 - 30 Mio. m3.

Noch vor einem halben Jahr hatten wir bundesweit ein massives Überangebot von kalamitätsbedingtem Rundholz auf dem Markt, welches nicht abgesetzt werden konnte. Dieses Überangebot hatte auch negative Konsequenzen auf die Regionen, die außerhalb der großen Schadgebiete lagen. Der "normale" Holzmarkt war quasi zusammengebrochen. Dass sich unser Holzmarkt so schnell erholt hat, ist auch dem Export zu verdanken.

Nur ein Teil des angefallenen Schadholzes kann vom heimischen Markt aufgenommen werden. Die Verwertung schlechterer Schadholzqualitäten ist, im Gegensatz zu geringeren Qualitäts- und Farbanforderungen im Ausland, insbesondere in China und den USA, bei uns nur begrenzt möglich und auch von den Kunden (Endverbraucher genauso wie Zimmererbetriebe) vielfach nicht gewünscht. Könnte also schlechteres Schadholz nicht exportiert werden, würden die Rund- und Schnittholzlager verstopfen, die Produktion würde gedrosselt werden und das angefallene Rundholz würde nicht mehr abfließen. Hohe Holzlager im Wald und Qualitätsverluste wären die Folge.

Der aktuelle Schnittholzengpass stärkt regionale Rohstoffanbieter und kleinere Sägewerke. Das wirkt positiv dem Strukturwandel entgegen und stärkt die ländlichen und regionalen Märkte. Es deutet sich aber bereits jetzt an, dass der US-amerikanische Markt vermehrt wieder aus Kanada beliefert wird, so dass es abzusehen ist, dass sich auch auf dem US-Markt wieder eine Beruhigung einstellen wird.

Für mehrere baunahe Produkte sind die Erzeugerpreise gestiegen. Im Vergleich zu anderen baunahen Produkten begann der Preisanstieg beim Schnittholz erst in der zweiten Jahreshälfte 2020 und entwickelte sich vorher eher negativ. Vergleicht man die Baupreisindexentwicklung für Holzarbeiten erkennt man eine langjährige systematische Steigerungsrate, die sich in den Vorjahren entkoppelt vom Schnittholzpreis entwickelt hat. Zu berücksichtigen sind die Effekte der Mehrwertsteuerabsenkung vom Juli bis Dezember 2020.